Review

"Wonach genau suchen wir?" ... "Sie sollen filmen, keine Fragen stellen!"

In Barcelona wird eine vierköpfige Sondereinheit der Polizei in ein unter Quarantäne gestelltes Mietshaus geschickt, in dem eine Seuche ausgebrochen sein soll. Unter der Leitung des vom Gesundheitsministerium kommenden Dr. Owen (Jonathan Mellor) sollen sie das mehrstöckige Haus nach Überlebenden durchsuchen. Im Dachgeschoss stoßen sie auf ein Labor und Beweise für die Durchführung von Experimenten an Kindern durch die Kirche. Als plötzlich Schreie von unten ertönen, rennt ein Mitglied der Sondereinheit in eine Wohnung und wird dort von einer Frau angegriffen. Als der Rest der Einheit hinzustößt, wird diese von ihrem einstigen Mitglied angefallen, jedoch von Owen durch ein Kreuz beruhigt. Das merkwürdige Ritual zwingt Owen die wahren Ereignisse offen zu legen. Somit sind die Bewohner des Hauses von einem Dämon besessen der sich nur durch das Blut von seinem Ursprungswirt austreiben lässt. Als die nunmehr dreiköpfige Sondereinheit das Haus verlassen will, wird sie von Owen erinnert, dass sie nur durch seinen Befehl das Haus lebend verlassen können. Und Owen lässt sie nicht gehen, bevor ihre Mission erfüllt ist.

"[Rec]“ war 2007 ein in jeder Hinsicht kleiner Film. Mit geringem Budget gedreht und nur 75 Minuten laufend, erwies er sich dessen ungeachtet als beachtlicher Erfolg. Die beiden Regisseure und Drehbuchautoren Jaume Balagueró und Paco Plaza hatten aus der Not eine Tugend gemacht und eine Story ersonnen, die in der überschaubaren Kulisse einer Feuerwache und eines Mietshauses spielte. Mit großem Einfallsreichtum hatten sie das Drehbuch zumindest für die zweite Hälfte des Films in eine straffe, spannende Handlung umgesetzt.
"[Rec]²" spielt direkt im Anschluss der Handlung des Erstlings und hat somit den großen Vorteil den Zuschauer direkt ins Geschehen werfen zu können, was dazu führt, dass sich ein Großteil der 90 Minuten wie das Finale des ersten Teils anfühlen.

Die Handlung erfährt eine originelle aber auch ungewohnte Erweiterung. Aus den als Untote vorgestellten Infizierten in "[Rec]“ werden plötzlich mit einem Dämon besessene Menschen und das Mietshaus wird zur geheimen Experimentierstätte der Kirche. Diese Kombination ergibt eine Mischung aus klassischem Zombie- wie auch Exorzismus-Film, die nicht ohne Klischees auskommt.
So wird schnell klar, dass Dr. Owen ein typisches Exemplar seiner Kirchen-Gattung ist. Übereifrig und engstirnig spricht er in kryptischen Andeutungen, statt eine eindeutige Aussage von sich zu geben. Über die Personen der Sondereinheit hingegen erfährt man so gut wie garnichts. So wie auch später noch hinzugefügte Figuren dienen sie einzig zur imposanten Darstellung deren Ablebens.

Intensität und Spannung sind auch in der Fortsetzung das große Hauptthema des Films. Hier überascht "[Rec]²" mit anfänglich hohen Gewaltspitzen die sich mit zunehmender Laufzeit mäßigen. Das ansonsten hohe Tempo bricht nur durch doppelt geführte Dialoge und den späteren überspitzt dargestellten Konversationen mit dem Dämonen ein.

Die Jagd durch das Mietshaus und die diesmal nicht ganz so plötzlich eintretenden Ereignisse werden stimmungsvoll präsentiert. Der Grund ist die erneute Verwendung von Handkameras, die ein dichtes Mittendrin-Gefühl suggerieren. Diese unkonventionelle Technik und Präsentation ist mittlerweile nicht mehr neu, wird aber durch sinnvolle Stilmittel, die die Handlung und das Equipment hergeben, erweitert. Somit wird eine Bild-im-Bild-Funktion der Helmkameras der Sondereinheit genutzt, um die Ereignisse zeitweise simultan oder nur von einem zweiten Mitglied des Trupps visuell darzustellen. Hinzu gesellt sich ein mehrfacher kompletter Kamerawechsel. Dies simuliert eine bislang nicht dagewesene Authentizität und lässt die verwendeten Kameras nun endlich nicht mehr unzerstörbar erscheinen.

Schaut man sich "[Rec]“ und "[Rec]²" direkt hintereinander an, beeindruckt insbesondere die Leistung der Kulissenbauer und Ausstatter. Obwohl zwei Jahre zwischen beiden Filmen liegen, konnte die Kontinuität bruchlos gewahrt werden. Dies betrifft nicht nur die großen Kulissen wie das Treppenhaus oder die Dachwohnung. Jeder noch so kleine Einrichtungsgegenstand steht, hängt oder liegt dort, wo er im ersten Teil zu sehen war. Die klaustrophobische Atmosphäre wird somit vom ersten Film direkt in den Nachfolger mitgezogen.

In Folge der Kontinuität sind auch sämtliche Darsteller aus "[Rec]“ im Nachfolger wieder dabei. Wahrnehmen tut man diese aber nicht, da sie nun als entstellte Zombie-Besessene Mischlinge kaum noch erkennbar sind. Der international unbekannte Cast ist passend gewählt, zeigt aber keine schauspielerischen Höhen. Manuela Velasco sorgt für den einzig erkennbaren personellen Bezug zum Vorgänger, wird jedoch kaum gefordert.

Die Fortsetzung "[Rec]²" funktioniert besser als sein Vorgänger, obwohl das Szenario mit der Mischung aus Zombies und von einem Dämon besessenen Personen zwar frisch, hin und wieder aber sperrig wirkt. Vorteilhaft ist hier der direkte Einstieg in den vom Grauen bestimmten Schauplatz und das fast durchgehend hohe Tempo. Der erneute Einsatz der Handkameraoptik und die aufwendig aufbereitete Kulisse verbreiten ein immenses Mittendrin-Gefühl. Dass dadurch kein Platz für eine glaubhafte Figurenzeichnung ist und diese klischeehaft präsentiert wird stört dabei weniger. Eher das offene Ende, dass auf den nächsten Nachfolger verweist.

8 / 10

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